Drei eigenhändige, signierte Postkarten (1906-1917) des Chemikers Roland Scholl (1865-1945). Roland Scholl war von 1907 bis 1914 ordentlicher Professor für Chemie an der Universität Graz. Nach seinem Kriegsdienst war er von 1916 bis 1934 Professor für Organische Chemie und Organisch-Chemische Technologie an der TH Dresden. Gerichtet an den Chemiker Prof. Franz Feist (1864-1941) in Kiel. Transkriptionen: Karlsruhe, 20. Oktober 1906: "Lieber Franz! Dank für Deine gestrigen Zeilen. Der 'ungemannte' Bittsteller ist mein Freund Dr. Hans Czerny, Chemiker in den vereinigten Werken Charlottenburg, Sohn von Geheimrat Czerny in Hbg. Er schrieb mir daß er sich nicht gern direkt an Harries wende, da er seinerzeit als Assistent von Tiemann sich nicht gut mit H. gestanden habe. Du kannst diese Mittheilung nach Gutdünken verwerten. Ich habe kein anderes als ein Freundschafts-Interesse für Cz. an der Sache. Deine Grüße an Roderich & Gisela will ich ausrichten. G. ist äußerlich noch ein halber Bub, aber innerlich sehr gediegen & wird sich mal famos machen. Sie hat starkes Maltalent. - War wol Auto-Droschke woraus Deine Frau geschleudert. Jedenfalls herzlichen Glückwunsch, daß so gut abgelaufen. Viele Grüße auch Deiner Frau! Dein Roland. Anm.: Erwähnt sind der Chemiker Carl Dietrich Harries (1866-1923) und dessen Doktorvater, der Chemiker Ferdinand Tiemann (1848-1899). Bühlau (Dresden), 6. Januar 1913: "Lieber Franz! Da ist guter Rat teuer. Meine guten Leute bring ich immer sofort nach d. Examen unter, in d. Technik od. als Assistenten (bei Bamberger, Pregl i. Innsbruck, Engler, Stein i. Berlin) soweit ich sie nicht selber weiter verwende, so daß ich Dir augenblicklich mit Niemand dienen kann. Werde es aber im Auge behalten u. gegebenen Falls bei Dir anfragen. Nach Freiburg ging's diesmal nicht u. überhaupt selten, da der Schwiegervater den Winter an d. Riviera zubringt u. im übrigen lieber zu uns kommt. Ich laß mich hier bei Lehmann{?} für 14 Tage auflackieren, was famos bekommt. Hoffentlich bekommt der Winteraufenthalt Deiner Tochter gut. Ist Dein Sohn Chemiker geworden? Ich hoffe nun bald was Wohlriechendes von Dir zu lesen. Mit herzl. Grüßen von Haus zu Haus Dein Scholl." Hundseck (Bühlertal), 10. August 1917: "Lieber Franciscus! Es liegt mal wieder ein typischer Fall von Schlamperei meines Extraordinarius u. Walther vor. Der Mensch ist so unordentlich, daß ich ihn längst seiner Assistenten- u. Adjunktenstelle enthoben hätte, wenn ich jetzt Ersatz finden könnte. Das ist aber vor Ausbruch des Friedens nicht möglich, auch habe ich keinen anderen Assistenten od. Mitarbeiter. Ich hab den p.p. W. sofort ersucht, die Dissertation an mich zu senden, und danke Dir im Voraus schon für die Zuwendung. Aber wo kriegst Du jetzt Doktoranden her? Das Dresdner Labor ist höchst übel u. der geplante Neubau wird viel Arbeit u. Verdruß mit sich bringen. Es ist mehr als fraglich, ob ich Graz mit Dresden vertauscht hätte, wenn die politischen Verhältnisse in Oesterreich weniger...